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VS Code + Claude Code: KI-Coding-Workflow

Über KI-gestütztes Coding wird viel geschrieben — meistens entweder als Heilsversprechen oder als Untergangs-Szenario. Beides ist nicht hilfreich. Wir bauen fahoch2.de und andere Kanzlei-Websites mit einer engen Kombination aus VS Code als Editor und Claude Code als integrierter KI-Werkstatt — und es lohnt sich, einmal nüchtern zu beschreiben, was die KI tatsächlich macht, was wir bewusst händisch behalten, und welche strukturellen Schranken verhindern, dass aus KI-Tempo schlechte Qualität wird. Für Kanzlei-Mandanten ist das auch eine Frage der Erwartungsverwaltung: Wir nutzen KI als Hebel, nicht als Ersatz für Bau-Verantwortung — und das ist sichtbar im Workflow verankert.

9 Min Lesezeitvon Alexander MockCode & Architektur

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen

  • Wie unser Werkzeug-Stack aussieht (VS Code + Claude Code) und was beide Werkzeuge konkret tun
  • Was die KI bei uns übernimmt — und was wir bewusst nicht abgeben
  • Welche strukturellen Schranken die KI-Outputs filtern, bevor sie Live-Code werden
  • Was sich daraus für Kanzlei-Mandanten ergibt: Erwartungsverwaltung statt Magie-Versprechen

Würdigung — KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Eine ehrliche Aussage vorweg: KI-gestütztes Coding ist heute (Stand Juni 2026) ein massiver Produktivitäts-Hebel — aber kein Selbstläufer. Wer den Output ungeprüft übernimmt, produziert Plausibles, nicht Korrektes. Wer ihn diszipliniert prüft, beschleunigt sich aber tatsächlich um ein Vielfaches gegenüber dem rein händischen Bau. Der Unterschied liegt nicht in der KI selbst, sondern im Workflow drum herum: in den Schranken, in den Reviews, in der Entscheidung, welche Arten von Arbeit überhaupt an die KI gehen.

Wir gehen diesen Weg bewusst, weil er für eine Zwei-Personen-Werkstatt (Alexander + Fabian) der einzige skalierbare ist — und weil er gleichzeitig den Qualitäts-Anspruch nicht senkt, sondern eher anhebt: Was händisch in Müdigkeit übersehen wird, fängt die KI; was die KI plausibel erfindet, fängt die menschliche Review.

Hinweis:

Wenn Sie wissen wollen, was aus diesem Workflow für Ihr Kanzlei-Projekt folgt — Tempo, Qualität, Sicherheit —, ordnet ein Erstgespräch (30 Minuten, kostenfrei) die Erwartungen ein.

Der Stack: VS Code + Claude Code

Zwei Werkzeuge, eng verzahnt:

Die Verzahnung ist wichtig: Claude Code arbeitet nicht in einer Sandbox-Vorschau, sondern direkt im echten Repo. Was die KI ändert, ist sofort im Git-Diff sichtbar — und kann vor dem Commit von Hand begutachtet, verworfen oder angepasst werden.

Was die KI bei uns konkret macht

Wir lassen die KI an drei Arten von Arbeit:

  • Recherche-getriebenes Schreiben. Insights-Artikel wie diesen hier, Audit-Texte, Stadt-Landingpages. Die KI bringt Tempo und Konsistenz; wir bringen die FA²-Voice (im Briefing 04 + Voice-Linter hinterlegt), die fachliche Begrenzung (keine Steuer-Beratung, keine erfundenen Paragraphen-Verweise) und die finale Lektor-Review.
  • Strukturelle Code-Änderungen. Repetitive Refactorings, Komponenten-Erweiterungen, Anpassungen quer durch viele Dateien — also Arbeit, die sich an klaren Mustern orientiert. Die KI ist gut darin, ein Muster auf 20 Stellen konsistent anzuwenden; eine Person ist gut darin, zu entscheiden, ob das Muster überhaupt das richtige ist.
  • Werkzeug-Bau. Linter, Skripte, Audit-Tooling, kleine Helper. Auch das Repo selbst — der Voice-Linter, der DSE-Konsistenz-Linter, die Cluster-Coverage-Prüfung — ist in großen Teilen KI-unterstützt entstanden und dann händisch geschärft worden.

In allen drei Fällen läuft die KI nicht autonom, sondern in Sprints: ein begrenzter Auftrag mit klarem Erfolgs-Kriterium, dann Review, dann Commit. Lange autonome Schleifen ohne Review enden zuverlässig in Drift — das ist eine harte, an mehreren Projekten verifizierte Erfahrung.

Was wir bewusst nicht abgeben

Drei Dinge bleiben händisch — und das ist Absicht:

Die strukturellen Schranken

Die wichtigsten Mechanismen, die KI-Output filtern, bevor er Live-Code wird:

  • Pre-Commit-Linter. Voice-Linter (Anti-Marketing, KI-Slop-Marker, Inline-Platzhalter), ESLint, DSE-Konsistenz — alle drei laufen vor jedem Commit (Details: Pre-Commit-Hooks-Insight). Was diese Linter fangen, kommt gar nicht erst in die Historie.
  • TypeScript-Build. Bei jedem Commit (und bei jedem Vercel-Deploy) läuft tsc --noEmit — TypeScript prüft, ob alle Typen konsistent sind. Eine KI, die Code-Strukturen erfindet, die nicht zu den umgebenden Typen passen, wird hier hart gestoppt.
  • Versionierte Skill-Definitionen im .claude/-Ordner. Unsere KI-Werkstatt arbeitet nicht aus dem Kurzgedächtnis, sondern mit explizit definierten Skills (projektleiter, fa2-lektor, fa2-legal, fa2-marketing, audit-werkstatt). Jeder Skill hat eine SKILL.md mit klaren Anweisungen — auch die KI-seitige Arbeitsweise ist also versionierter Repo-Inhalt, nicht Mündliches.
  • Persistente Memory. Strategische Festlegungen (Voice, Anonymität, Tempo, „Insights = Kompetenz-Beweis, kein Steuer-Ratgeber") sind in einem auto-memory-Verzeichnis dokumentiert und werden bei jeder Session automatisch geladen. Das verhindert das immer-wieder-erklären-müssen und macht die Linie über Wochen konsistent.
  • Menschliches Review als Endprüfung. Vor jedem Commit ein git diff, vor jeder größeren Änderung eine bewusste Re-Lese-Schleife. Nicht alles, was die KI vorschlägt, bleibt — und das ist der eigentliche Mehrwert: Vorschläge sind günstig, Entscheidungen sind teuer, beide gehören in unterschiedliche Hände.

Was sich daraus für Kanzlei-Mandanten ergibt

Für eine Kanzlei, die mit uns baut, sind drei Folge-Effekte wichtig:

  • Tempo bei Inhalts-Welle. Eine Welle von zehn Stadt-Landingpages oder zwanzig Insights ist mit KI-Unterstützung in einer Zeit machbar, die ohne KI realistisch nicht ginge. Das senkt die Schwelle für Content-getriebene Sichtbarkeits-Arbeit.
  • Konsistenz über große Mengen. Eine KI, die das Voice-Briefing und den Voice-Linter „kennt", schreibt 50 Texte konsistenter als drei Personen über einen Monat verteilt. Diese Konsistenz ist ein echter Qualitäts-Mehrwert, kein Verlust.
  • Aber: kein Sand auf das Berufsrecht. Wir kommunizieren explizit, dass alle berufsrechtlich relevanten Aussagen menschlich geprüft werden — und dass die Verantwortung für rechtliche Inhalte beim Mandanten und seinem Anwalt liegt, nicht bei der KI. Das ist die Erwartungsverwaltung, die solche Workflows brauchen, damit niemand Magie erwartet.

Beispiel:

Acht neue Insights zu identifizierten Audit-Lücken sind in einer einzigen Arbeitssitzung entstanden — jeder einzelne KI-unterstützt geschrieben, dann gegen das Briefing geprüft, vom Voice-Linter geblockt-und-korrigiert, einzeln committed und gepusht. Das wäre rein händisch eine Woche Vollzeit gewesen; mit dem Workflow waren es etwa vier Stunden konzentrierte Arbeit, mit besserer Konsistenz als bei reiner Hand-Arbeit. Wer ähnlich denkt für eine eigene Content-Welle: ein Erstgespräch (30 Minuten, kostenfrei) ordnet den realistischen Aufwand für Ihr Vorhaben ein.

Wie wir es bauen

Bei jedem neuen Mandanten-Projekt richten wir den .claude/-Ordner mit den projektspezifischen Skills ein, bevor irgendein Code-Strich passiert — das ist genauso wichtig wie die Top-Level-Ordner (Repo-Tour). Voice-Linter und Pre-Commit-Hooks gehören in dieselbe frühe Phase. Erst dann beginnt der eigentliche Bau, und ab dann zahlt sich die Infrastruktur jeden Tag aus — KI-Vorschläge entstehen schnell, die Schranken filtern zuverlässig, die Reviews konzentrieren sich auf das Inhaltliche.

Für eine strukturierte Bewertung, was an Ihrer Site KI-gestützt schneller, sicherer oder konsistenter ginge, empfehlen wir den Hebel-Audit (890 €, bei Mandanten-Boost-Beauftragung innerhalb von 60 Tagen voll anrechenbar).

Zusammenfassung

KI-gestütztes Coding ist ein massiver Produktivitäts-Hebel, aber kein Selbstläufer — der Unterschied liegt im Workflow drum herum, nicht im Modell selbst. Wir kombinieren VS Code mit Claude Code zu einer engen Werkstatt: Die KI übernimmt recherche-getriebenes Schreiben, strukturelle Code-Änderungen und Werkzeug-Bau in begrenzten Sprints mit klaren Erfolgs-Kriterien. Bewusst händisch bleiben Architektur-Entscheidungen, rechtliche und berufsrechtliche Aussagen, Mandanten-Beziehung. Die Schranken sind mechanisch: Pre-Commit-Linter, TypeScript-Build, versionierte Skill-Definitionen, persistente Memory, menschliches Review als Endprüfung. Daraus ergibt sich für Kanzlei-Mandanten Tempo bei Inhalts-Wellen und Konsistenz über große Mengen — aber kein Sand auf das Berufsrecht, das bleibt menschlich verantwortet.

Quellen

Disclaimer: Beschreibung des tatsächlichen Werkstatt-Workflows von FA² zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Konkrete KI-Werkzeuge und ihre Fähigkeiten entwickeln sich schnell weiter; die Schranken-Logik (Linter + TypeScript + Reviews + Skill-Definitionen) bleibt als Prinzip robust.

Erstveröffentlichung
Autor
Alexander Mock
Lesezeit
9 Minuten

Allgemeine Information, keine individuelle Beratung. Dieser Artikel beschreibt steuer-, berufs- oder webrechtliche Grundsystematik zum oben genannten Stand. Er ist nicht mandantenspezifisch und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Anlage-Beratung im Sinne § 2 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG), § 1 Steuerberatungsgesetz (StBerG) oder § 34d/f Gewerbeordnung (GewO). Vor jeder konkreten Entscheidung wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater, Rechtsanwalt oder die jeweils zuständige Behörde.

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