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Privacy-First-Analytics: Plausible, Matomo oder GA4?

Eine Kanzlei will wissen, wie ihre Website genutzt wird — welche Seiten gefragt sind, woher Besucher kommen. Der Reflex heißt Google Analytics. Auf einer datenschutzbewussten Seite ist das gleich doppelt unklug: GA4 braucht ein Cookie-Banner, und dieses Banner kostet einen erheblichen Teil der Daten, weil viele Besucher ablehnen. Es gibt cookielose Alternativen, die ganz ohne Banner messen — und dabei mehr verwertbare Daten liefern. Dieser Artikel vergleicht Plausible, Matomo, Cloudflare und GA4 entlang der Frage, die für Kanzleien zählt: messen ohne Banner.

11 Min Lesezeitvon Alexander MockTools & Integrationen

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen

Würdigung — Messen und Datenschutz sind kein Widerspruch

Es hält sich der Glaube, gute Web-Analyse brauche umfangreiches Tracking und damit ein Cookie-Banner. Das stimmt für eine Kanzlei-Website nicht. Was eine Kanzlei wirklich wissen will, ist überschaubar: Welche Seiten werden besucht? Über welche Suchbegriffe oder Kanäle kommen Besucher? Wie viele schauen mobil? Funktioniert die Kontaktseite? Für diese Aggregat-Fragen braucht es keine personenbezogene Verfolgung einzelner Nutzer über die Zeit — und damit auch kein einwilligungspflichtiges Cookie.

Genau hier setzen cookielose Analytics an: Sie messen anonyme Aggregate, ohne das Endgerät wiederzuerkennen. Damit fallen sie unter keine Einwilligungspflicht nach § 25 TDDDG — und das Cookie-Banner entfällt.

Hinweis:

Ob Ihre Seite ein Analyse-Tool lädt, das ein Banner erfordert, zeigt unser kostenfreier URL-Audit — er erkennt Tracking-Skripte und Cookie-Setzungen beim ersten Aufruf.

Google Analytics 4 setzt Cookies und verarbeitet Daten in einer Weise, die nach § 25 TDDDG und DSGVO eine Einwilligung verlangt. Praktisch heißt das: GA4 darf erst messen, nachdem der Besucher im Banner zugestimmt hat. Und genau hier entsteht das Datenleck — nicht im Datenschutz-Sinn, sondern im Mess-Sinn: Ein erheblicher Teil der Besucher lehnt ab oder ignoriert das Banner. Für all diese Besucher misst GA4 gar nichts. Die Zahlen, auf die sich die Kanzlei dann stützt, bilden nur einen Ausschnitt ab — und niemand weiß, einen wie repräsentativen.

Dazu kommt der US-Bezug: GA4 verarbeitet Daten bei einem US-Konzern, was die ganze Drittland-Diskussion (AVV, Data Privacy Framework) nach sich zieht. Für eine Kanzlei, die nach außen Datensparsamkeit signalisieren will, ist GA4 also der unbequemste Weg: aufwändiger im Recht, schlechter in der Datenqualität.

Die cookielosen Alternativen

Drei Werkzeuge messen ohne Cookie und damit ohne Banner:

  • Plausible: Leichtgewichtiges, quelloffenes Analyse-Tool, EU-gehostet, cookielos. Sehr schlankes Skript, einfaches Dashboard mit genau den Aggregat-Kennzahlen, die eine Kanzlei braucht. Kostenpflichtig im gehosteten Plan, selbst-hostbar.
  • Matomo: Umfangreicher, quelloffen, EU- oder selbst-gehostet. Lässt sich cookielos betreiben (dann ohne Banner) oder mit vollem Tracking (dann mit Banner). Mächtiger als Plausible, dafür schwergewichtiger.
  • Cloudflare Web Analytics: Cookielos, in die Cloudflare-Schicht integriert, ohne langfristige IP-Speicherung. Liefert die Basis-Kennzahlen, kostenlos. Setzt voraus, dass die Seite ohnehin über Cloudflare läuft.

Allen gemeinsam: Sie verzichten auf das Wiedererkennen einzelner Nutzer und liefern dafür Aggregate — und genau das reicht für die Fragen einer Kanzlei.

Der Vergleich — was wann passt

ToolHostingBanner nötig?StärkeFür wen
Cloudflare Web AnalyticsCloudflare (cookielos)neingratis, null Zusatz-Skript-Last bei vorhandenem CloudflareSeiten, die schon über Cloudflare laufen
PlausibleEU, cookielosneinsehr schlank, einfaches DashboardKanzleien, die nur die Kern-Kennzahlen wollen
MatomoEU/selbst, cookielos möglichnein (cookielos) / ja (voll)mächtig, granularKanzleien mit höherem Analyse-Bedarf, eigener IT
GA4USAjasehr umfangreich, kostenlosfür Kanzlei-Seiten nicht empfohlen

Die ehrliche Grenze cookieloser Tools: Sie können einzelne Nutzer nicht über Sitzungen hinweg wiedererkennen, also keine ausgefeilten Funnel über mehrere Besuche bauen. Für eine Kanzlei-Website ist das kein Verlust — diese Tiefe braucht ein E-Commerce-Shop, keine Mandanten-Akquise.

Wie wir messen

Auf fahoch2.de nutzen wir Cloudflare Web Analytics — cookielos, ohne Banner, ohne langfristige IP-Speicherung, als einzige analytische Fremd-Quelle in unserer Content-Security-Policy. Das passt zur cookielosen Gesamt-Architektur: Wir messen die Aggregate, die wir brauchen, und der Besucher sieht trotzdem nie ein Zustimmungs-Fenster. Wenn eine Kanzlei mehr Analyse-Tiefe will, ist Plausible oder ein cookielos konfiguriertes Matomo der nächste Schritt — beide ohne Banner.

Beispiel:

Ein typisches Muster: Eine Kanzlei läuft mit GA4 plus Consent-Banner und wundert sich über stark schwankende, niedrige Besucherzahlen. Der Grund ist nicht zu wenig Verkehr, sondern dass die Mehrheit das Banner ablehnt und damit unsichtbar bleibt. Mit einem Wechsel auf ein cookieloses Tool würde die Kanzlei zum ersten Mal vollständige Zahlen sehen — und könnte das Banner gleich mit entfernen. Wer seine Mess-Lage einordnen will: ein Erstgespräch (30 Minuten, kostenfrei) hilft.

Für eine vollständige Bewertung von Tracking, Cookie-Einsatz und Datenschutz-Konformität empfehlen wir den Hebel-Audit (890 €, bei Mandanten-Boost-Beauftragung innerhalb von 60 Tagen voll anrechenbar).

Zusammenfassung

Eine Kanzlei braucht Aggregat-Kennzahlen, keine personenbezogene Nutzer-Verfolgung — und genau dafür sind cookielose Analytics gemacht. GA4 ist der schlechteste Weg: Es verlangt ein Banner, und das Banner kostet einen erheblichen Teil der Messdaten, weil viele Besucher ablehnen; dazu kommt der US-Bezug. Cookielose Alternativen messen ohne Banner: Cloudflare Web Analytics (gratis, wenn Cloudflare ohnehin läuft), Plausible (schlank, EU) und Matomo (mächtig, EU/selbst-gehostet). Ihre Grenze — kein Wiedererkennen einzelner Nutzer — ist für eine Kanzlei-Website kein Verlust. Wir selbst messen cookielos über Cloudflare. Der erste Schritt ist zu prüfen, ob das eigene Tool überhaupt ein Banner erzwingt.

Quellen

Disclaimer: Allgemeine fachliche Information zum Zeitpunkt der Veröffentlichung — keine Rechtsberatung im Einzelfall. Der Datenverlust durch Consent-Ablehnung ist eine Erfahrungs-Größe, keine erhobene Studie; die Einwilligungspflicht eines konkreten Tools gehört in die anwaltliche Prüfung.

Erstveröffentlichung
Autor
Alexander Mock
Lesezeit
11 Minuten

Allgemeine Information, keine individuelle Beratung. Dieser Artikel beschreibt steuer-, berufs- oder webrechtliche Grundsystematik zum oben genannten Stand. Er ist nicht mandantenspezifisch und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Anlage-Beratung im Sinne § 2 Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG), § 1 Steuerberatungsgesetz (StBerG) oder § 34d/f Gewerbeordnung (GewO). Vor jeder konkreten Entscheidung wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater, Rechtsanwalt oder die jeweils zuständige Behörde.

Zitate aus amtlichen Werken. Gesetzes-Texte, Verwaltungsanweisungen (BMF-Schreiben) und Gerichts-Entscheidungen (BFH, BGH, BVerfG, EuGH) sind nach § 5 Urheberrechtsgesetz gemeinfrei. Zitiert wird jeweils mit Aktenzeichen und Entscheidungs- bzw. Schreibens-Datum. Aktualität der Rechtslage bitte vor Bezugnahme gegen die jeweilige amtliche Veröffentlichung prüfen (gesetze-im-internet.de, bundesfinanzhof.de, bmf.bund.de).

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